Heinkel He 280
Bereits die He 178 wurde so konstruiert, dass man aus ihr mit wenig Aufwand ein Jagdflugzeug hätte bauen können. Aber erst mit der He 280 entstand tatsächlich das erste strahlgetriebene Jagdflugzeug der Welt - der erste Düsenjäger. Zugleich war sie der erste zweistrahlige Jet. Als Triebwerke wurden HeS 8 eingesetzt die diese Maschine erstmals am. Nach ausgiebigen Testflügen als Gleiter ohne Triebwerke erfolgte am 5.4.1941 der erste Flug mit Eigenantrieb. (näheres auf der He 280 Dokumentenseite)
Dieses Modell entstand aus einem Eduard Profipack. Enthalten waren neben den Kunststoffteilen ein Satz Photoätzteile, vorgestanzter Maskierfilm und Reifen und Schleudersitz aus Resin. Es gibt zwei Triebwerksalternativen HeS 8 oder Jumo 004. Das Ergebnis ist ein nahezu perfektes Modell.
Nach dem Zusammenbau und der Montage der Triebwerke begann dann auch schon die Vorbereitung für die Lackierung.
Die Cockpithaube wurde außen mit dem beiliegenden Maskierfilm beklebt. Da dieser teilweise nur aus Umrissen besteht habe ich die Innenflächen mit Fensterfarbe gefüllt und gut trocknen lassen.
Einige Tage später erfolgte die Lackierung. Ich habe eine Weile gebraucht um die Farbe entsprechend RLM 02 zusammenzumischen. Ich habe sie bewußt etwas heller gemacht, nachdem ich feststellte, dass sie beim trocknen deutlich nachdunkelte. Man muß außerdem den sogennanten „Scale-Effect“ einkalkulieren. Dieser betrifft die Theorie, dass die Farbe an einem verkleinerten Modell dunkler wirkt als im Original. Was wirklich an der Theorie dran ist weiß ich nicht, aber ich habe schon oft den Effekt Beobachtet, dass eine Farbe beim trocknen Nachdunkelt. Vielleicht ist das die eigentliche Ursache die dem angeblichen „Scale Effekt“ zugrundeliegt.
Einer der kritischsten Punkte an jedem Modell sind die Abziehbilder (in Fachkreisen „Decals“ genannt). So auch bei der He 280. Das Material war eigentlich recht gut, die Decals waren sehr dünn. Dünne Decals schließen besser mit der Oberfläche ab, es gibt keine so starken Kanten, durch sie sie sich vom Untergrund optisch abheben würden. Allerdings sind dünne Decals auch entsprechend empfindlich und reißen schnell. Das ist mir auch mehrfach passiert, allerdings lassen sich die Bruchstücke auf dem Modell wieder ordentlich zusammensetzen.
Das größte Problem sind aber die Zwischenräume, die nur aus klarem Trägerfilm bestehen. So z.B. die Innenflächen des Buchstabens „B“. Diese Flächen erhöhen die Stabilität der Decals und sorgen dafür dass die Abstände der Decals untereinander fixiert sind, wie z.B. in Schriftzügen, die sonst aus einzelnen Buchstaben bestehen würden die zudem oft sehr klein wären. Es wäre sehr mühselig die Buchstaben wie z.B. beim Schriftzug „Heinkel“ einzeln aufzubringen und zwar so, dass sie alle gerade auf gleicher Linie, mit gleichmäßigem Abstand angebracht sind. Zudem wären solche Decals (kleinere Schriftzüge werden „Stencils“ genannt) wegen ihrer geringen Größe besonders schwer zu handhaben. Gerade bei Stencils kommt man ohne klare Flächen also eigentlich nicht aus.
Grundsätzlich sollte man aber Ränder weitest möglich abschneiden. Sehr gut geht das bei den Balkenkreuzen. Die werden vorsichtig bündig an den Kanten abgeschnitten, so dass kein klarer Trägerfilm mehr vorhanden ist. Bei Buchstaben wird die Sache kniffelliger, aber je mehr man wegschneidet, desto besser. Auch wenn die Stabilität darunter leidet und die Decals evtl. beim aufbringen reißen - das läßt sich ganz gut korrigieren. Schwierig wird es dann aber bei Innenflächen wie beim den Buchstaben B,O,P,R,A und D. Die müßte man sehr vorsichtig mit einem scharfen Bastelmesser ausschneiden. Dabei liegt die Betonung ausdrücklich auf scharf, da es bei stumpfen Messern vorkommen kann, dass die Decals an den Schnittkanten reißen - dass ist meist nicht reparabel !
In meinem Fall habe ich gerade wegen der sehr dünnen Decals lieber etwas mehr Film übrig gelassen, in der Hoffnung dass die Qualität der Decals so gut ist, dass kein oder nur ein minimaler „Fischhauteffekt“ auftritt. Das ist nämlich das Problem das durch diese klaren Trägerfilmflächen entsteht - nach dem Trocknen bildet sich unter den Decals eine Schicht, die diese Flächen je nach Lichteinfall silbrig glänzen läßt. Dieser Effekt ist sehr störend und kann den ansonsten guten Gesamteindruck des Modells erheblich verschlechtern. Wie dieser Effekt genau entsteht weiß ich leider nicht, aber offenbar ist es Luft unter dem Decal das eine Grenzschicht mit diesem Effekt entstehen läßt. Bei meinem Modell war dies nun der Fall, ich hatte bereits den Bericht eines anderen Bastlers vorliegen, dem es offenbar genau so erging. Selbst das obligatorische Versiegeln des Modells mit Klarlack bringt bei diesem Effekt keine Abhilfe.
Was tun ? Wenn dieser Effekt erst einmal auftaucht ist es für die meisten Maßnahmen bereits zu spät.
Außer dem Wegschneiden hätte es noch die Möglichkeit gegeben, größere Buchstaben per selbst angefertigter Schablone (z.B. durch kopieren bzw. scannen und ausdrucken der Decals und zurechtschneiden zu Schablonen aus Maskierfilm) aufzusprühen oder aufzumalen. Nachteil dieser Technik: runde Formen lassen sich scher in Schablonen umsetzen und die Buchstaben werden oft zu dick. Andererseits sind kleine Unregelmäßigkeiten der Schablonen nicht unbedingt ein Nachteil, denn im Original waren die aufgebrachten Kennungen sicher auch nicht so akkurat wie die üblichen Decals.
Es gibt auch diverse Mittelchen die z.T. vor dem Aufbringen der Decals auf das Modell aufgebracht werden, oder Weichmacher für die Decals die zudem den Effekt haben, dass sich die Decals besser an die Konturen des Modells anpassen (z.B. bei Gravuren). Diese Mittelchen sind allerdings schwer zu bekommen, ich habe sie bisher noch in keinem Bastelgeschäft gesehen. Zudem vertragen nicht alle Decals alle Weichmacher und wenn eine mal Kaputt ist gibt es in aller Regel keinen Ersatz ! Ich habe noch einen Decal-Haftgrund von Testors, den ich in diesem Fall nicht verwendet habe, zumal ich mir nicht sicher bin ob dieser in diesem Fall etwas genutzt hätte. Ich werde das mit den übriggebliebenen Decals einfach mal austesten um für die Zukunft gewappnet zu sein. Dann kann ich entscheiden ob ich zukünftig den Film belasse und das Modell vorher mit Decal-Grund behandle oder ob ich auch die Innenflächen wegschneide bzw. Schablonen benutze.
Wenn aber, wie in meinem Fall das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, muß man sich andere Methoden ausdenken.
Ich habe einfach diese Flächen mit der Grundfarbe zu übermalt. Das bietet sich bei diesem Modell an, da es einfarbig lackiert ist. Ich mußte nur darauf achten, dass die Farbe möglich dünnschichtig aufgetragen wird, sonst habe ich den Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben.
Lösungsansatz zwei wäre die Buchstaben komplett mit Schablone neu aufzubringen, das wäre allerdings sehr aufwendig und es garantiert mir nicht, dass das Modell danach wirklich besser aussieht.
Die Express-Mask hat sich gut bewährt, dazu die Hobby-Fensterfarbe zum füllen der Zwischenräume zu verwenden war optimal. Es war auch richtig die Haube von innen Abzukleben, da doch etwas Sprühnebel in das Cockpit eingedrungen ist. Bisher ist mir noch keine Cockpitverglasung so gut gelungen wie diese.
Das Innere des Modells hatte ich mit Revell-45 versehen der RLM 02 im Vergleich zu den mir vorliegenden Farbchips am nähesten kommt. Nach dem Lackieren, Aufbringen der Decals und Versiegeln mit Klarlack öffnete ich nun erstmals das Cockpit und sah den Innenraum im direkten Vergleich mit der selbst angemischten Farbe außen. Der Unterschied ist äußerst gering. Innen ist der Farbton etwas dunkler. Ich habe außen die Farbe bewußt etwas heller gewählt um dem sogennanten „Scale-Effect“ Rechnung zu tragen. Ich denke dass ich die Farben bedenkenlos so lassen kann, also nicht angleichen muß. Ich habe das Fahrwerk noch nicht gebaut. Mir ist nur wenig von der angemischten Farbe übriggeblieben, da ich damit einige Unfälle hatte. Notfalls kann ich das Fahrwerk auch mit der Revell-Farbe bemalen. Der Unterschied ist erstens gering und zweitens waren die Farben damals ohnehin nicht 100%ig einheitlich. Ich denke das Modell wirkt dadurch nur lebendiger und realistischer.
Die letzten Details haben mich noch einige Stunden Beschäftigt. Obwohl ich vorsichtig mit dem Model Umging fehlten schon wieder Teile der Decals. Die Dinger taugen wirklich nichts. Ich konnte das aber weitestgehend reparieren. Bis auf eine Ausnahme: der Schriftzug „V 3“ fehlt jetzt links. Ich hatte bereits erwogen aus den restlichen Decals zumindest das „V“ noch anzubringen und die 3 notfalls mit dünnem Stift aufzumalen, es ist aber fraglich ob mir das gelungen wäre. Auf den Originalfotos, die ich gesichtet habe war auf keiner He 280 überhaupt eine V-Nr. zu sehen. Bei der V 3 kann man nicht sehen ob eine Nummer drauf ist oder nicht. Bei mir ist sie jetzt nur noch links zu sehen. Das soll mir erst mal einer beweisen, ob die Nummer drauf war oder nicht, und ob diese rechts auch drauf war. Ärgerlich ist es trotzdem.
Das Fahrwerk bereitete keinerlei Probleme, das Hautfahrwerk habe ich nicht einmal festkleben müssen, es hält auch so sehr gut. Wie bereits in einem der mir vorliegenden Bauberichte erwähnt mußte ich Teile des Einziehmechanismus kürzen. Insgesamt ist das Fahrwerk und speziell die Fahrwerksräume wenig detailliert - aber wann sieht man die schon ? Es fehlte dann nur noch der Strömungsmesser und der Scheinwerfer. Dieser wurde mit Alufolie hinterklebt. Die Aussparung für den Scheinwerfer ist etwas zu eng und mußte leicht nachgeschliffen werden. Ich konnte auch dieses Teil anschließend ohne Kleber befestigen.
Dann noch die beiden Schienen für den Rückziehmechanismus der Scheibe - diese habe ich bewußt nicht bemalt - und fertig war die Maschine.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen - das ist das erste Modell, dass mir fast ohne Fehler gelungen ist - wäre das mit dem „V 3“ Abziehbild nicht passiert. Ich habe die Kompletthaube verwendet, diese aber nur lose aufgesetzt, denn sie paßt so gut genug.
Insgesamt war es ein schnell gebautes, optisch ansprechend gelungenes Modell. Punktabzüge gibt es in erster Linie für die schlechte Qualität der Decals (schwacher Kleber und Fischhaut),die falsche Farbangabe für RLM 02 und die Tragflächen. Die Fahrwerksdetaillierung, insbesondere der Fahrwerksräume hätte auch besser sein können, ich nehme an hier fehlten Eduard entsprechende Vorlagen.
Nebenbei erwähnt: gerne hätte ich das Modell, wie auf Fotos zu sehen, ohne Triebwerksabdeckung gebaut, aber ich habe kein He S 8 Triebwerk in 1:48 gefunden.